Hier finde Sie eine Ăbersicht ĂŒber aktuelle und abgeschlossene Forschungsprojekte.
SOLID:
Social work and strengthening NGOs in development cooperation to treat drug addiction
SOLID steht fĂŒr âSocial work and strengthening NGOs in development cooperation to treat drug addiction.â Das Projekt richtet sich auf die Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit als Forschungsgebiet und Berufsfeld in Zentralasien und China. Das SOLID Projekt nimmt besonders die Soziale Arbeit mit marginalisierten Bevölkerungsgruppen, wie z.B. Drogenkonsumierende und Menschen, die mit HIV leben, in den Blick. Im Zentrum stehen dabei die drei Kernbereiche:
- Soziale Arbeit und die Behandlung von DrogenabhĂ€ngigkeit mit Schwerpunkt auf dem Konsum von Opioiden, synthetischen Drogen, Alkohol und Nikotin und der psychosozialen UnterstĂŒtzung und Beratung von Menschen mit Substanzgebrauchsstörungen;
- Soziale Arbeit und ĂŒbertragbare Krankheiten (HIV/AIDS, Tuberkulose, Hepatitis C) mit dem Schwerpunkt auf PrĂ€ventions- und Schadensminderungsprogrammen (Harm Reduction);
- Soziale Arbeit mit Menschen in geschlossenen Einrichtungen, wie z. B. in GefÀngnissen und Zwangsbehandlungseinrichtungen.
Das SOLID Projekt orientiert sich an den globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, insbesondere am Ziel 3 (Gesundheit und Wohlergehen), am Ziel 4 (Hochwertige Bildung), am Ziel 5 (Geschlechtergleichheit), am Ziel 10 (Weniger Ungleichheiten) und am Ziel 16 (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen).
Die TH NĂŒrnberg arbeitet mit Partnerinstitutionen in China, Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan zusammen. Ein wichtiger Teil des Projektes ist das Promotionsprogramm zur Sozialen Arbeit, das die TH NĂŒrnberg in Zusammenarbeit mit den Partnerinstitutionen entwickelt. Die Dissertationsprojekte stehen inhaltlich in Bezug zu den drei Kernbereichen des SOLID Projektes. Durch die Einbeziehung im SOLID Netzwerk haben die Doktorandinnen und Doktoranden eine hohe Sichtbarkeit ihrer Forschungsprojekte, da das Netzwerk die Einbindung von Ăffentlichkeit sowie die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie der WHO, UNDP oder UNODC ermöglicht.
Laufzeit: 01.03.2025-31.12.2029.
Projektseite: Link
Mittelgeber: Das Projekt wird gefördert vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Bundesministeriums fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen der exceed Förderprojekte.
Scoping Workshop: Weiterentwicklung des Harm Reduction Ansatz in der Suchthilfe.
Harm Reduction in der Suchthilfe: Von einem praxisbasierten Ansatz hin zu einem theoriegeleiteten, evidenzbasierten und zukunftsfÀhigen Konzept.
Der Scoping Workshop entwickelt das Forschungsgebiet Harm Reduction weiter und zielt darauf ab, eine theoretische Fundierung und zukĂŒnftige Entwicklungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Harm Reduction reduziert gesundheitliche und soziale SchĂ€den des Konsums, setzt jedoch keine Abstinenz voraus und die enormen gesundheitlicher Folgekosten durch Substanzkonsum (inkl. Alkohol und Tabak) reduzieren. Die theoretische Grundlage dieses Ansatzes ist jedoch unzureichend entwickelt. Der Workshop bringt Expert*innen verschiedener Disziplinen zusammen, ein gemeinsames VerstĂ€ndnis von Harm Reduction zu entwickeln, Unterschiede in der Anwendung zu identifizieren und neue Potenziale von Harm Reduction zu erkunden.
Laufzeit: 01.09.2025-31.05.2026
Mittelgeber: VolkswagenStiftung
ESCAPE – European Syringe Collection and Analysis Project Enterprise
Im Rahmen dieses europĂ€ischen Projektes werden in unterschiedlichen Suchthilfe-Einrichtungen gebrauchte Spritzen von DrogenkonsumentInnen gesammelt und anschlieĂend auf DrogenrĂŒckstĂ€nde hin analysiert. Mit diesem Verfahren werden sichere Informationen ĂŒber die sich im Umlauf befindlichen Drogen gewonnen und fĂŒr die PrĂ€ventions- und Beratungsarbeit nutzbar gemacht.
Die Sammlungen und Analysen finden in Amsterdam, Budapest, Helsinki, Glasgow, Lausanne und Paris und Köln statt. Die Analysen der Kölner Stichproben werden im Rechtsmedizinischen Institut der Uniklinik Freiburg durchgefĂŒhrt.
Laufzeit: seit 2018 laufend
Mittelgeber: EuropĂ€ische Beobachtungsstelle fĂŒr Drogen und Drogensucht (EMCDDA).
ĂberLeben im Risikoumfeld:
Kartographie und Autofotografie von Drogenkonsument*innen der Drogenszene am Kölner Neumarkt.
Offene Drogenszenen bilden ein Risikoumfeld fĂŒr die Konsument*innen, da mit ihnen eine Vielzahl von drogenbedingten SchĂ€den assoziiert wird. Zugleich werden die AufenthaltsrĂ€ume offener Drogenszenen von Teilen der Mehrheitsgesellschaft als sogenannte AngstrĂ€ume beschrieben. Bislang ist unklar, wie sich der öffentliche Raum als Risikoumfeld aus der Perspektive von Drogenkonsument*innen darstellt.
Im Rahmen von 20 Sozialraumbegehungen entstand eine Kartierung der Drogenszene am Kölner Neumarkt. Die Fotos der Ausstellung entstanden durch das partizipative Verfahren der Autofotografie, bei dem sieben Drogenkonsument*innen eigenstĂ€ndig bestimmte Orte aus ihrem Alltag auswĂ€hlten und fotografierten. Im Anschluss daran fĂŒhrten wir Interviews mit den Fotograf*innen zu den Orten und den dort gemachten Erfahrungen. Einige Fotos wurden von uns dahingehend verĂ€ndert, dass keine weiteren RĂŒckschlĂŒsse zu Personen möglich sind. Im Sinne eines lebensweltorientierten Zugangs begreifen wir die Konsument*innen der offenen Drogenszene am Neumarkt als Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt, deren Erfahrungen und Handlungsmuster im Sozialraum wir rekonstruieren möchten. Die Teilnehmenden konnten wir niedrigschwellig ĂŒber den Drogenkonsumraum und das Aufsuchende Suchtclearing des Gesundheitsamts der Stadt Köln gewinnen.
Laufzeit: 2022-2024.
Das Projekt wird aus Eigenmittel der beteiligten Hochschulen finanziert.

Offene Drogenszenen in NRW 2024:
Einblicke in Lebenslagen, Konsum und Nutzung von Hilfsangeboten in DĂŒsseldorf, Essen, Köln und MĂŒnster.
Offene Drogenszenen sind Orte, an denen Konsument*innen von Drogen wie Heroin und Crack ihren Alltag organisieren und ihr Ăberleben sicherstellen. Gleichzeitig stellen sie ein Risikoumfeld fĂŒr drogenbedingte SchĂ€digungen dar.
Die Studie gibt erstmals einen empirisch fundierten Einblick in die Lebenslagen von 525 Menschen in den offenen Drogenszenen in vier StĂ€dten in NRW. Er weist u. a. nach, dass viele Menschen von massiven sozialen AusschlĂŒssen betroffen sind, dass Crack zur am meisten konsumierten Substanz geworden ist und dass UnterstĂŒtzungsangebote â wo sie bestehen â dazu beitragen, die Lebenslagen zu stabilisieren und zu verbessern.
FĂŒr Verantwortliche in Kommunal- und Landespolitik, fĂŒr Fachleute in der Suchthilfe und Sozialpsychiatrie sowie die interessierte Ăffentlichkeit ist der Bericht eine Grundlage zum VerstĂ€ndnis der Lebenssituation und gibt Empfehlungen zur Weiterentwicklung einer humanen und nachhaltigen Drogenpolitik.
Die Studie wurde in Kooperation mit Prof. Dr. Christoph Gille von der Hochschule DĂŒsseldorf durchgefĂŒhrt.
Abschlussbericht ist auf der Seite des Verlages unter dem Reiter „Leseprobe“ kostenlos verfĂŒgbar: Pabst Publishers
Laufzeit: 01.09.2024-28.02.2025
Mittelgeber: Ministerium fĂŒr Arbeit, Soziales und Gesundheit (MAGS) NRW.
ODSC-Survey – Open Drug Scene Cologne Survey:
Charakteristika und UnterstĂŒtzungsbedarfe von Konsument*innen der offenen Drogenszene am Kölner Neumarkt
In groĂstĂ€dtischen RĂ€umen existieren je her offene Drogenszenen, in denen sich Konsument*innen von illegalisierten Substanzen (insbesondere Heroin und Kokain) regelmĂ€Ăig aufhalten, die Drogen beschaffen und diese auch im öffentlichen Raum konsumieren (vgl. Bernard et al. 2010, Grote & GrĂŒnbeck 1997, Kemmesies 2010, Prepeliczay & Schmidt-Semisch 2021, Thane et al. 2011, Verthein et al. 2001, Werse 2022). FĂŒr viele Konsument*innen stellt die Drogenszene der Lebensmittelpunkt dar, in dem soziale Kontakte verortet sind (Bernard 2013). Menschen mit einer manifesten Opioid- und KokainabhĂ€ngigkeit, wie sie in den offenen Drogenszenen anzutreffen sind, weisen hĂ€ufig weitere somatische Erkrankungen, ein erhöhtes Risiko fĂŒr Infektionserkrankungen wie HIV- und Hepatitis-C-Infektionen (RKI 2016) sowie weiteren psychische Erkrankungen auf. Zudem sind in viele Konsument*innen wohnungs- oder obdachlos (vgl. Darke 2013). Der Erwerb und der Konsum von illegalisierten Drogen im öffentlichen Raum gehen mit juristischen und ordnungsrechtlichen Problemen fĂŒr die Betroffenen einher. Zudem ist die AtmosphĂ€re in der Drogenszene und dem Aufenthalt dort hĂ€ufig mit Stress, Aggressionen und Gewalt verbunden (Kreuzer 2015). Neben diesen körperlichen und psychosozialen Belastungen, welche die Drogenkonsument*innen permanent erfahren, hat eine offene Drogenszene eine Wirkung in den Sozialraum hinein, da dieser hĂ€ufig als âAngstraumâ durch die Bevölkerung wahrbenommen wird. Die Folge sind wiederum repressive MaĂnahmen seitens der Polizeibehörden (Wimber & Werse 2018).
Auch in Köln existieren offene Drogenszenen, die gröĂte befindet sich am Kölner Neumarkt. Es kommt durch die Drogenszene immer wieder zu Konflikten im Sozialraum. Seit September 2022 ist der neue Drogenkonsumraum der Stadt Köln im Betrieb, der sich in unmittelbarerer NĂ€he des Neumarkt befindet. Das Angebot wird durch die Drogenkonsument*innen sehr gut angenommen. Jedoch liegen keine weiteren Daten vor, die die Nutzergruppe nĂ€her beschreiben und deren psychosozialen UnterstĂŒtzungsbedarf abbilden.
Im Rahmen des geplanten Projektes soll diese ForschungslĂŒcke geschlossen werden und die Drogenkonsument*innen der Drogenszene am Kölner Neumarkt erstmals dezidiert beschrieben und deren UnterstĂŒtzungsbedarf ermittelt werden. Zudem sollen die Konflikte im Sozialraum erhoben werden, indem die Orte der Drogenszene im Sozialraum kartografiert werden. Die Forschungsbefunde sollen zu verbesserten Kenntnissen ĂŒber die Drogenkonsument*innen der Szene am Neumarkt beitragen und zu einer bedarfsgerechten und optimierten Versorgung der Drogenkonsument*innen fĂŒhren. Zudem soll anhand von erhobenen Daten, die Konflikte im Sozialraum systematisch erfasst werden.







Alle Fotos: Daniel Deimel

Laufzeit: 01.01.2023-31.12.2023
Mittelgeber: Eigenmittel der katho NRW
SubFan – Beratung und Begleitung von substanzgebrauchenden FuĂballfans
In Teilen der aktiven FuĂballfanszene ist, neben Alkohol, der Konsum von psychotropen Substanzen wie Cannabis, Kokain und Amphetaminen weit verbreitet. Diese meist jugendlichen oder jungen erwachsenen Fans benennen zudem einen hohen psychosozialen UnterstĂŒtzungsbedarf (Deimel et al. 2019, Deimel & Köhler 2020). Eine spezifische Beratung findet fĂŒr diese Zielgruppe bisher nicht statt. Im Rahmen des Projektes âSubFanâ wird ein onlinebasiertes Beratungsportal fĂŒr FuĂballfans in Zusammenarbeit mit der LAG Fanprojekte NRW sowie Sozialarbeiter*innen aus zehn sozialpĂ€dagogischen Fanprojekten und implementiert.
Im Rahmen der geplanten Onlineberatung sollen die Fans zu relevanten Themen wie Substanzkonsum, Schadensminderung, juristische Fragestellungen, psychische Gesundheit, Probleme mit Schule oder Arbeit oder Schulden unterstĂŒtzt werden.

Die pĂ€dagogischen FachkrĂ€fte werden hierfĂŒr in den Bereichen Onlineberatung und Motivierender Kurzintervention (MOVE) durch erfahrene FachkrĂ€fte geschult und fĂŒhren dann die Onlineberatung unter Supervision durch. Das Projekt wird im Rahmen eines qualitativen Forschungsansatzes begleitet. In diesem Zusammenhang sind Interviews, Fokusgruppen und teilnehmende Beobachtungen geplant, um biographische Aspekte, Motive und HintergrĂŒnde zum Substanzkonsum und Gewalterfahrung von FuĂballfans abbilden zu können.
Laufzeit: 01.11.2020-31.10.2023
Mittelgeber: MAGS NRW
95-95-95-0 UNAIDS-Ziele zur HIV-PrÀvention. Umsetzungsstand und Entwicklungsbedarfe in Hessen.
Seit dem Auftreten der ersten HIV-FÀlle Anfang der 1980er Jahre haben sich weltweit 37,7 Mio. Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Weltweit sterben jÀhrlich 680.000 Menschen an AIDS-assoziierten Erkrankungen. In Deutschland leben nach SchÀtzungen des Robert-Koch-Instituts 91.400 Menschen mit HIV.
Eine HIV-Infektion ist keine Infektionserkrankung wie jede andere. Zwar sind die Ăbertragungswege bekannt, PrĂ€ventionsansĂ€tze und Testprogramme etabliert und eine medizinische Behandlung sehr gut entwickelt. Andererseits wird HIV hĂ€ufig mit einem bestimmten Lebensstil und sozialen Randgruppen assoziiert, die hĂ€ufig nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen. Die Folge sind Diskriminierungen und Stigmatisierungen von HIV-positiven Menschen und die daraus resultierende Scham im Umgang mit der Infektion Dieser psychische Druck wird wiederum psychischen Erkrankungen assoziiert. Diese sozialen Bedingungsfaktoren erschweren den Kampf gegen HIV und AIDS.
UNAIDS hat die 95-95-95-0 Ziele zur HIV-PrĂ€vention proklamiert. Bis zum Jahr 2030 sollen 95% aller HIV-Infizierten von ihrer Infektion wissen. Von diesen HIV-Infizierten sollen 95% eine HIV-spezifische Therapie erhalten. Hiervon sollen wiederum 95% eine erfolgreiche Therapie erhalten. Das bedeutet, dass sich die Virenlast unter der Nachweisgrenze befindet. Damit ist ein HIV-positiver Mensch fĂŒr andere nicht mehr infektiös. Zudem soll es 0% an Diskriminierungen wegen einer HIV-Infektion geben.
Viele Staaten haben sich verpflichtet, die UNAIDS-Ziele erreichen zu wollen. So hat auch das Land Hessen sich verpflichtet, die UNAIDS-Ziele zu erreichen. Die vorliegende Studie stellt die BemĂŒhungen in Hessen zur HIV-PrĂ€vention und Versorgung von HIV-positiven Menschen in den Fokus. Auf der Grundlage der UNAIDS-Ziele wurde eine Evaluation der BemĂŒhungen zur HIV-PrĂ€vention in Hessen durchgefĂŒhrt.
Hierzu wurden neben der Darstellung von aktuellen epidemiologischen Daten ein Mapping der Versorgungsstruktur dargelegt. Der Kern der Analyse bilden Fokusgruppen mit 20 Expert*innen aus den Bereichen HIV-PrÀvention, AIDS-Hilfen, HIV-Schwerpunktpraxen, Suchthilfe und HIV-positiven Menschen sowie 11 biographische Interviews mit HIV-positiven Menschen.
Auf der Basis der gewonnenen Informationen wurden im Sinne eines umfassenden Public-Health-Ansatzes 19 Handlungsempfehlungen entwickelt, die Impulse fĂŒr eine Weiterentwicklung der HIV-PrĂ€vention und HIV-Versorgung in Hessen ermöglichen.
Laufzeit: 2020-2022
Mittelgeber: Aidshilfe Hessen
SUBSEX Lust und Rausch – Kontexte von Substanzkonsum und SexualitĂ€t
Basierend auf den Ergebnissen vorhergehender Forschungen soll im Rahmen dieses Projektes ermittelt werden, ob sexualisierter Substanzkonsum ein relevantes Thema fĂŒr Therapeut*innen und Patient*innen in der Suchtrehabilitation darstellt.
Die Studie basiert auf einem sequenziellen Mixed-Methods-Ansatz. Hierzu wurden einen ersten Erhebungsschritt n = 30 Suchttherapeut*innen zu ihren Erfahrungen im Umgang mit dem Themenkomplex Substanzkonsum und SexualitĂ€t interviewt. Das Ziel ist hier, die Beratungs- und Therapiepraxis im Bezug auf die Diagnostik, Beratung und Behandlung in der Dynamik von Substanzkonsum und SexualitĂ€t darzustellen und ggf. bestehende Konflikte und Bedarfe sowie Beispiele gelingender Praxis abzubilden. In einem nĂ€chsten Schritt wurden n = 490 Patient*innen mit problematischen Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenkonsum, in 10 ambulanten und stationĂ€ren Suchthilfeeinrichtungen mit dem Ziel durchgefĂŒhrt, die Kontexte und Konsummotive von legalen und illegalen Suchtmitteln im Zusammenhang der SexualitĂ€t umfĂ€nglich abzubilden.
Sexualisierter Substanzkonsum wird hĂ€ufig er praktiziert, als angenommen: So gaben 57 Prozent der befragten Patient*innen an, öfters oder sehr oft gezielt zum oder beim Sex, Drogen konsumiert haben. Dies betrifft sowohl Frauen als auch MĂ€nner. 17 Prozent der Patient*innen bewerten sexuelle Situationen mit einem erhöhten RĂŒckfallrisiko des Substanzkonsums und 38 Prozent wĂŒnschen sich, dass das Thema âSexualitĂ€t“ Gegenstand der Suchttherapie sein sollte. Gleichzeitig berichten 48 Prozent der befragten Patient_innen, dass ĂŒber SexualitĂ€t nie und 35 Prozent, dass nur wenig ĂŒber SexualitĂ€t gesprochen wird. Diese EinschĂ€tzung bestĂ€tigt sich aus den Einzelinterviews mit den Therapeut*innen: Aus deren Sicht bestehen Hemmschwellen, ĂŒber SexualitĂ€t zu sprechen, und es fehlt an Konzepten und Techniken, wie dieser sehr sensibel Themenkomplex adĂ€quat in der Suchttherapie besprochen und bearbeitet werden kann.
Laufzeit: 01.03.2019-31.01.2022
Mittelgeber: Bundesministerium fĂŒr Gesundheit (BMG)
German Chemsex Survey (GCS)
Ein Kooperationsprojekt der Katholischen Hochschule NRW / Deutsches Institut fĂŒr Sucht- und PrĂ€ventionsforschung, der UniversitĂ€t Duisburg Essen / LVR Klinik Essen und der Deutschen AIDS-Hilfe, Berlin.
Background
Based on past research (Deimel et al., 2016a, 2016b, Deimel, 2017, Dirks et al., 2012) and experience from communitybased work (Dichtl et al. 2016, Sander, 2017), we are currently planning the âGerman Chemsex Survey 2018â. In this project, we plan to investigate the results of our qualitative research with a larger sample of men who have sex with men (MSM) who report substance use in sexual contexts. The theoretical framework for this survey is a syndemic approach (Singer, 2009 & Singer et al., 2017), including the minority stress model (Meyer, 2003) while acknowledging the role of pleasure. From these perspectives, substance use is seen as a part of an interconnected web of health concerns that may collectively affect health more negatively than any individual element of the syndemic. While substance use problems among MSM have been associated with internal and external psychosocial stressors (e.g., stigma towards sexual minorities), chemsex can also be a productive practice in facilitating sex and enhancing sexual pleasure among MSM.
Reseach Questions
What are the patterns of substance use in sexual contexts among MSM in Germany? Which psychosocial stress factors (e.g. depression, anxiety, suicidality, victimization, marginalization experiences, coming out) are reported by MSM with chemsex experience?What are the motivations for, and benefits and limitations of, chemsex reported by MSM? Which harm reduction strategies are used by MSM in chemsex contexts? To what extent have MSM with chemsex experience engaged with health services for substance use and sexual health, what are the barriers and incentives for health service access, and what are the unmet health needs of this population?
Project partners and study design
This study is an independent and collaboative project from the German Institute for Addiction and Prevention Research (DISuP) at the Catholic University of Applied Sciences NRW (katho NRW), University of Duisburg-Essen / LVR Hospital Essen & Deutsche AIDS-Hilfe, Berlin.
Laufzeit: 2018-2021
Eigenmittel der katho NRW
Evaluation der Kampagne „Ich weiss was ich tu“ / IWWIT der Deutschen Aidshilfe
Die Kampagne âIch weiss was ich tuâ (IWWIT) ist seit 2008 fester Bestandteil der HIV- und STI-PrĂ€vention der Deutschen AIDS-Hilfe fĂŒr schwule MĂ€nner und andere MSM. Diese Zielgruppe ist besonders vulnerabel fĂŒr HIV-Infektionen und steht daher im Blickpunkt der PrĂ€ventionsarbeit. Die IWWIT-Kampagne verfolgt das ĂŒbergeordnete Ziel, die gesundheitliche Situation dieser Zielgruppe zu verbessern, indem auf eine Reduktion von HIV und anderen STI`S sowie einer Erhaltung bzw. Steigerung des physischen und psychischen Wohlbefindens hingewirkt wird. Dies geschieht ĂŒber die Kommunikation von Botschaften und MaĂnahmen, welche ĂŒber unterschiedliche KommunikationsstrĂ€nge wie einer Webseite, einem Facebook-Auftritt und einem Health Support vermittelt werden. Im Rahmen der geplanten Evaluation soll die Kampagne mehrdimensional ĂŒberprĂŒft werden. Hierzu wird eine auf die VorlĂ€uferbefragung basierende Onlinebefragung durchgefĂŒhrt. Die Probanden werden zum Kenntnisstand der Kampagne, Form des Angebots, Bewertung des Inhalts, VerstĂ€ndnis und der Zufriedenheit mit der Kampagne befragt. Zudem werden Daten zu den Rezipienten und zur Wirksamkeit der Kampagne sowie deren einzelner Module erhoben. Mit Hilfe der Evaluation soll die Verbreitung und Zielerreichung der Kommunikationskampagne ermittelt werden. DarĂŒber hinaus sollen Hinweise fĂŒr eine Optimierung und Weiterentwicklung der IWWIT-Kampagne aus der Nutzerperspektive identifiziert werden.
Die Evaluation der Kampagne erfolgte mit Hilfe einer quantitativen Onlinebefragung von n = 1.573 MĂ€nnern, die Sex mit MĂ€nnern haben.
Laufzeit: 01.2018-04.2019
Mittelgeber: Deutsche Aidshilfe, Berlin
Evaluation des HIV-Test-Program Test2multiply
Test2multiply ist ein niedrigschwelliges und anonymes Test- und Beratungsangebot in Bezug auf sexuell-ĂŒbertragbare Infektionen und sexuelle Gesundheit, welches durch das Seminarwerk-Aids e.V. Aachen, der Aidshilfe Aachen sowie in Kooperation mit dem Querreferat der Aachener Hochschulen e.V. durchgefĂŒhrt wird.
In der Initialphase fand eine wissenschaftliche Begleitung des Projektes statt.
Laufzeit: 2018-2019
Mittelgeber: Seminarwerk-AIDS e.V. Aachen
Harm Reduction 24/7: The supply of harm reduction materials via vending machines for drug users in North Rhine-Westphalia.
Intravenös Drogenkonsumierende gehören zu einer Personengruppe mit einem erhöhten Risiko fĂŒr Infektionserkrankungen wie HIV oder Hepatitis-C. Der niedrigschwellige Zugang zu sterilen Spritzbesteck, Konsumutensilien fĂŒr weniger riskante Applikationsformen sowie sichere Konsumbedingungen stellen zentrale Elemente fĂŒr eine erfolgreiche Harm Reduction Strategie dar.
Die Vergabe von sterilen Spritzen- und Konsumutensilien ĂŒber niedrigschwellige Kontaktstellen und Suchtberatungsstellen sowie in DrogenkonsumrĂ€umen sind, wenn auch nicht flĂ€chendeckend verfĂŒgbar, inzwischen etabliert und werden durch Spritzenautomaten im öffentlichen Raum ergĂ€nzt. Diese Spritzenautomaten wurden seit 1987 in Deutschland aufgestellt und durch etwa 80 kommunale Suchtberatungsstellen und AIDS-Hilfen betrieben. Inzwischen sind rund 160 Automaten im Einsatz, was im internationalen Vergleich einen Spitzenwert darstellt. Im Rahmen des Forschungsprojektes sollen Erfahrungen der Automatenbetreiber in NRW, die Versorgungsstruktur und VersorgungslĂŒcken von sterilen Konsumutensilien sowie Angebote und Materialien fĂŒr spezifische Konsumentengruppen systematisch erfasst werden.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut fĂŒr Suchtforschung Frankfurt am Main (ISFF), Deutscher AIDS-Hilfe und der AIDS-Hilfe NRW durchgefĂŒhrt.
Laufzeit: 2017-2018
Mittelgeber: MGEPA NRW
RauschzustĂ€nde: Drogenkonsum und Gewalterfahrungen von FuĂballfans
FuĂball ist seit Jahrzehnten die unangefochtene Lieblingssportart der Deutschen. Fast an jedem Wochenende kann man in Deutschland FuĂballspiele besuchen. Allein die professionellen FuĂballigen veranstalteten 2714 FuĂballspiele (1-3 Liga) in der Saison 2015/2016. Insgesamt besuchten in dieser Saison 21,4 Millionen Menschen die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga. Dies ist die gröĂte Zuschaueranzahl, die jemals fĂŒr eine Sportart im Zeitraum eines Jahres in Europa gemessen wurde (ZIS, 2016). Sowohl in den Medien als auch aus der wissenschaftlichen Perspektive wird dem Event FuĂball eine besondere Bedeutung zugesprochen, wenn es in diesem Kontext zu gewalttĂ€tigen Auseinandersetzung von Fangruppierungen kommt. Aktuell sind in diesem Zusammenhang die gewalttĂ€tigen Auseinandersetzungen zwischen AnhĂ€ngern von Borussia Dortmund und RB Leipzig zu nennen (Spiegel Online, 06.02.2017). FuĂballfans bilden dabei keine stabile, heterogene Gruppe. Sie hat sich in der Vergangenheit wiederkehrend verĂ€ndert und wird divergent beschrieben. Sei es das Aufkommen der verschiedenen Fantypen, beispielweise der âKuttenâ nach dem zweiten Weltkrieg, der âHooligansâ Mitte der 70er Jahren oder der âUltra- Bewegungâ Ende der 80er – jeder neue Fantypus brachte auch eine neue Entwicklung mit sich (Pilz, 2005).
Berichte von Sozialarbeitern aus unterschiedlichen Fanprojekten zeigen, dass der Konsum von Drogen, insbesondere von Alkohol und Stimulanzien, von Fans im Zusammenhang mit gewalttÀtigen Verhalten in Verbindung gebracht wird (Welt, 08.12.2014.). Bisher konzentrierten sich die Forschungen in diesem Feld auf GewaltphÀnomene (vgl. Anthonj et al. 2015), Rassismus (Pilz, 2009) oder spezifische Genderaspekte (vgl. Claus et al., 2016, Lehnert, 2006). Forschungen, welche sich explizit mit der Interaktion von Drogenkonsum und Gewalterfahrungen beschÀftigt haben, konnten nicht ausfindig gemacht werden.

Innerhalb dieses Forschungsprojektes soll die Dynamiken Gewalterfahrungen und dem Drogenkonsum von Fans analysiert werden. Dabei sollen folgende Fragestellungen beantwortet werden:
- Welche Drogenerfahrungen benennen Fans, insbesondere aus der Ultra- und Hooligan-Bewegung?
- Welche Konsummotive benennen die Fans aus diesen Gruppen?
- Welche Bedeutung spielt der Drogenkonsum im Kontext von gewalttÀtigen Auseinandersetzungen?
- Welche Motive sind fĂŒr die GewaltausĂŒbung bedeutsam?
- Welche AnsĂ€tze fĂŒr die Beratungs- und PrĂ€ventionsarbeit in den Fanprojekten können hieraus abgeleitet werden?
Laufzeit: 01.01.2017-31.12.2017
Mittelgeber: Eigenmittel der katho NRW
Clubdrug-Studie: Drogenkonsum und Gesundheitsverhalten von MĂ€nnern die Sex mit MĂ€nnern haben.
MĂ€nner, welche Sex mit MĂ€nnern haben (MSM), gelten als eine vulnerable Gruppe fĂŒr HIV-Neuinfektionen. Ebenso kann ein erhöhter Konsum von psychoaktiven Substanzen, insbesondere von chemischen Drogen (Club Drugs), in Teilen der homosexuellen Community festgestellt werden. Der Drogenkonsum von MSM wird mit einem erhöhten sexuellen Risikoverhalten assoziiert. Kontextfaktoren und Stigmaerfahrungen im Lebensverlauf (sog. Syndemische Produktionen) dĂŒrften hier eine bedeutsame Rolle spielen. Im Rahmen des Projektes sollen durch qualitative Interviews diese Risikofaktoren nĂ€her beleuchtet werden und hieraus Implikationen fĂŒr die PrĂ€vention und Intervention gezogen werden.
Laufzeit: 2014-2016
Mittelgeber: Eigenmittel der katho NRW